
Nebenberuflich gründen in Deutschland, was die Zahlen wirklich sagen
Nebenberuflich gründen in Deutschland: Was die Zahlen 2026 wirklich sagen
Ich arbeite in der Pflege. Schichtdienst, Wochenenden, Feiertage. Und nebenbei baue ich NextPhaseSystem auf. Lange dachte ich, das wäre irgendwie ungewöhnlich. So ein Ding, das nur ein paar wenige machen, die entweder sehr mutig oder etwas verrückt sind.
Dann habe ich mir die aktuellen Zahlen angeschaut. Und gemerkt: Ich bin nicht die Ausnahme. Ich bin die Regel.

Die Gründungszahlen 2025 kurz eingeordnet
Jedes Jahr befragt die KfW, die staatliche Förderbank, zehntausende Menschen in Deutschland zu ihrer Selbstständigkeit. Das Ergebnis heißt KfW-Gründungsmonitor. Die aktuelle Ausgabe ist 2026 erschienen und beschreibt das Jahr 2025.
Und das Jahr hatte es in sich. Die Gründungsintensität ist von 115 auf 136 Gründungen je 10.000 Menschen zwischen 18 und 64 Jahren gestiegen. Umgerechnet sind das rund 690.000 Gründerinnen und Gründer, nach 585.000 im Jahr davor. Das ist ein Plus von etwa 18 Prozent und laut Analysen der größte Sprung seit über zehn Jahren.
Übrigens sind das keine geschätzten Zahlen aus dem Bauch heraus. Für den Gründungsmonitor wurden 2025 etwa 30.000 Telefoninterviews und zusätzlich 20.000 Online-Interviews geführt.
Das eigentlich Spannende: Fast alle gründen nebenbei
Jetzt kommt der Teil, der mich wirklich überrascht hat.
Der Anstieg kommt fast komplett aus dem Nebenerwerb. Rund 483.000 Menschen haben sich 2025 nebenberuflich selbstständig gemacht, nach 382.000 im Jahr davor. Die Zahl der Vollerwerbsgründungen dagegen hat sich das dritte Jahr in Folge kaum verändert und lag bei rund 206.000.
Das Ergebnis: Der Anteil der Nebenerwerbsgründungen ist auf 70 Prozent gestiegen, so hoch wie noch nie.
Sieben von zehn Menschen, die sich in Deutschland selbstständig machen, kündigen also nicht. Sie behalten ihren Job und bauen nebenbei etwas auf. Genau das, was vielleicht auch du gerade überlegst.
Und noch ein Detail, das gut zu deiner Situation passen dürfte: 70 Prozent der Gründenden waren vorher angestellt, und gut vier von zehn behalten ihre Anstellung auch nach der Gründung. Die KfW nennt das "hybride Gründung". Ich nenne es: der realistische Weg.
Warum gerade jetzt so viele nebenbei gründen
Die KfW nennt einen möglichen Grund, der mich ehrlich gesagt nicht überrascht: Ein schwächelnder Arbeitsmarkt könnte eine Ursache für die Entwicklung sein.
Das passt zu dem, was ich selbst erlebe. Es geht bei den meisten nicht um den großen Traum vom eigenen Imperium. Es geht um Sicherheit. Um ein zweites Standbein, falls im Hauptjob etwas wackelt. Um das Gefühl, nicht komplett von einem einzigen Arbeitgeber abhängig zu sein.
Bei mir war es genau so. Ich mag meinen Beruf, aber ich wollte nicht mein Leben lang nur eine Einnahmequelle haben. Und ich wollte nicht warten, bis ich irgendwann keine Wahl mehr habe.
Digital ist längst die Regel
44 Prozent der Gründungen setzen auf digitale Angebote. Fast jede zweite Gründung läuft also über digitale Produkte oder Dienstleistungen, nicht über einen Laden oder eine Werkstatt.
Für dich heißt das: Wenn du ohne großes Startkapital startest, zum Beispiel mit digitalen Produkten oder Affiliate Marketing, bist du nicht am Rand unterwegs. Du bewegst dich mitten in dem, was gerade die meisten machen.
Und digital hat einen Vorteil, gerade neben dem Job: Du bist nicht an Öffnungszeiten gebunden. Du kannst nach der Spätschicht, am freien Tag oder in der Mittagspause daran arbeiten. Wie das konkret mit wechselnden Schichten aussehen kann, zeige ich dir in meinem Artikel Online Geld verdienen im Schichtdienst.
Was die Leute gerade wirklich suchen
Schau dir mal an, wie die Stimmung im Land gerade ist. Im September 2026 ist das Konsumklima auf minus 30,6 Punkte gefallen. Die Sparneigung liegt bei 21,5 Punkten. Einen so hohen Wert gab es laut NIM zuletzt in der Finanzkrise 2008. Viele Haushalte rechnen damit, dass die hohen Energiepreise ihre Kaufkraft auffressen.
Klingt erstmal nach schlechten Nachrichten für jeden, der etwas verkaufen will. Ist es aber nur zum Teil. Denn die Leute hören ja nicht auf, Geld auszugeben. Sie geben es nur bewusster aus. Und genau da liegt die Chance.
Was gerade gut ankommt, hat fast immer mit einem von diesen Punkten zu tun:
Es hilft beim Sparen, zum Beispiel ein Haushaltsbuch, ein Meal-Prep-Plan oder ein ehrlicher Vergleich von Spar-Apps wie in meinem Finanzguru-Check.
Es spart Zeit oder Nerven. Kleine Firmen und Selbstständige zahlen eher für etwas, das ihnen eine Stunde Papierkram pro Woche abnimmt, als für etwas, das nur schön aussieht.
Die Kosten sind klar und planbar. Ein fester Preis statt Abo-Falle, bei dem man nach drei Monaten nicht mehr weiß, was man eigentlich zahlt.
Wenn dein Angebot in eine dieser Ecken passt, triffst du gerade einen Nerv. Das heißt nicht, dass es automatisch läuft. Aber du musst niemanden mehr davon überzeugen, dass er das Problem überhaupt hat.
So prüfst du, ob deine Idee in diese Zeit passt
Bevor du Wochen in eine Idee steckst, stell ihr ein paar ehrliche Fragen. Ich mache das inzwischen bei jeder neuen Idee, und ein paar sind dabei schon rausgeflogen.
Spart es jemandem Geld, Zeit oder Nerven? Wenn du das nicht in einem Satz sagen kannst, ist die Idee wahrscheinlich noch zu schwammig.
Weiß der Kunde vorher, was es kostet? Gerade jetzt schreckt alles ab, was nach versteckten Kosten riecht.
Schaffst du es neben dem Dienst? Eine digitale Vorlage machst du einmal und kannst sie immer wieder anbieten. Eine Dienstleistung mit festen Terminen wird bei wechselnden Schichten schnell zum Stress.
Kennst du die Leute, die es brauchen? Das wird oft unterschätzt. Ich weiß, wie sich ein Dienstplan anfühlt, der sich dreimal im Monat ändert. Jemand aus einer Werbeagentur weiß das nicht. Dein eigener Alltag ist kein Nachteil, er ist dein Vorsprung.
Und dann der einfachste Test von allen: Frag fünf Leute aus deiner Zielgruppe, ob sie dafür Geld ausgeben würden. Nicht ob sie es "cool" finden. Ob sie zahlen würden. Die Antwort sagt dir mehr als jede Marktanalyse.
Falls du noch gar nicht weißt, wo du gerade stehst: Im NextPhase Hub gibt es dafür den Check "Wo stehst du wirklich?". Sechs Fragen, und du weißt, welcher Schritt als Nächstes dran ist.
Wer gründet eigentlich?
Das Durchschnittsalter der Gründerinnen und Gründer liegt bei 34,2 Jahren, und 40 Prozent sind jünger als 30. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Durchschnittsalter sogar leicht gesunken, von 34,4 auf 34,2 Jahre.
Das zeigt vor allem eins: Es gibt kein "richtiges Alter". Das Bild vom 20-jährigen Startup-Wunderkind im Hoodie stimmt nicht. Die meisten Gründer sind ganz normale Berufstätige mitten im Leben.

Was diese Zahlen nicht bedeuten
Und jetzt der ehrliche Teil, den ich dir nicht verschweigen will.
Diese Zahlen sagen nichts darüber, wie schnell oder wie leicht es geht. Sie sagen nicht, wie viele dieser Gründungen nach einem Jahr noch laufen oder wie viel Geld die Leute damit verdienen. Sie zeigen nur, dass der Weg, den du überlegst, kein Einzelfall ist.
Und es gibt echte Hürden. Laut KfW kostet allein die Erfüllung gesetzlicher und regulatorischer Anforderungen einige Stunden Wochenarbeitszeit. Formulare, Steuern, Anmeldungen. Das ist neben einem Vollzeitjob nicht zu unterschätzen.
Dazu kommt der Ausblick: Für 2026 erwartet die KfW eine ähnliche Gründungstätigkeit wie 2025, mit leichten Chancen nach oben, aber auch Risiken nach unten. Kein Boom, der ewig so weitergeht. Eher ein neues Normal.
Was du jetzt konkret tun kannst
Wenn du nach diesen Zahlen denkst "okay, dann probier ich es auch", hier drei Schritte für den Anfang:
1. Kläre das Formale von Anfang an.
Wer regelmäßig Einnahmen hat, braucht in der Regel ein Gewerbe. Das ist weniger kompliziert, als es klingt. Wie das nebenberuflich funktioniert, erkläre ich in Nebenberuflich Gewerbe anmelden.
Wenn du dich direkt in der Pflege selbstständig machen willst, lies auch Selbstständig in der Pflege.
2. Plan deine Zeit realistisch.
Nicht "jeden Abend drei Stunden", sondern feste, kleine Zeitfenster, die zu deinem Alltag passen. Eine Vorlage dafür findest du in meinem Wochenplan für dein Nebenprojekt.
3. Such dir einen Weg, nicht zehn.
Die häufigste Falle ist, alles gleichzeitig auszuprobieren. Digitale Produkte, Affiliate Marketing, Social Media, Werbung. Fang mit einer Sache an und bleib dabei, bis du sie verstanden hast.
Selbstständigkeit ist kein Talent, mit dem man geboren wird. Es ist etwas, das man lernt, Schritt für Schritt. Die 483.000 Menschen, die 2025 nebenberuflich gegründet haben, haben auch alle irgendwann bei null angefangen.
Und bei dir?
Was hält dich gerade noch davon ab, neben deinem Job etwas aufzubauen? Ist es die Zeit, das Formale oder einfach die Frage, wo du anfangen sollst?
Übrigens: Wenn du in Österreich lebst, dort sieht es ganz ähnlich aus. Die Zahlen dazu findest du in Nebenberuflich selbstständig in Österreich.
Quelle: KfW-Gründungsmonitor 2026, KfW Research (Pressemitteilung vom 06.04.2026 und Studie vom Mai 2026),NielsenIQ: Konsumklima mit deutlichem Dämpfer (25.09.2026), Lebensmittelpraxis: GfK-Konsumklima fällt im September deutlich

