
Weiterbildung neben der Pflege: Welche Wege es gibt und wer sie bezahlt
Weiterbildung neben der Pflege: Welche Wege es gibt und wer sie bezahlt
Ich bin seit meiner Ausbildung 2021 in der Pflege, als Pflegeassitent. Und irgendwann kam die Frage, die sich wahrscheinlich jeder in unserem Beruf mal stellt: Soll das jetzt für immer so bleiben?
Nicht, weil der Job schlecht ist. Sondern weil man merkt, dass man mehr kann. Mehr Verantwortung übernehmen will. Oder einfach einen Plan braucht, wie es in fünf Jahren aussehen soll.
Das Problem: Zwischen Früh-, Spät- und Nachtdienst bleibt wenig Zeit, sich durch Kurse, Förderprogramme und Gesetze zu wühlen. Genau das habe ich für dich gemacht.
Damit du direkt findest, was zu dir passt:
Du bist Gesundheits-und Krankenpflegehelfer oder Pflegefachassistent? Dann lies zuerst Teil 1
Du bist examinierte Pflegefachkraft? Dann spring direkt zu Teil 2
Förderung, Tipps für den Schichtdienst und alle Links findest du ab Teil 3, die gelten für beide

Teil 1: Weiterbildung für examinierte Gesundheits-und Krankenpflegehelfer und Pflegefachassistenz
Die große Änderung 2027: die Pflegefachassistenz
Für uns examinierte Gesundheits-und Krankenpflegehelfer ist das die wichtigste Nachricht seit Jahren. Bisher gab es in Deutschland 27 unterschiedliche Ausbildungen für Pflegehelfer und Pflegeassistenz, je nach Bundesland verschieden. Wer umziehen wollte, wusste oft nicht, ob der eigene Abschluss woanders überhaupt zählt.
Das ändert sich jetzt. Am 17. Oktober 2025 hat der Bundesrat das Pflegefachassistenzgesetz verabschiedet. Ab dem 1. Januar 2027 ersetzt eine bundeseinheitliche Pflegefachassistenzausbildung die bisherigen 27 Ausbildungen.
Was du darüber wissen solltest:
Die Ausbildung dauert in der Regel 18 Monate in Vollzeit oder 36 Monate in Teilzeit, und mit Berufserfahrung in der Pflege kann sie verkürzt werden. Wer besonders lange in der Pflege arbeitet, muss die praktische Ausbildung unter Umständen gar nicht machen und bereitet sich stattdessen in einem 320-Stunden-Kurs auf die Abschlussprüfung vor.
Voraussetzung ist grundsätzlich ein Hauptschulabschluss, ohne formalen Abschluss geht es im Einzelfall, wenn die Pflegeschule eine positive Prognose stellt. Und die Ausbildung wird vergütet.
Genau das macht sie so interessant für alle, die schon lange in der Pflege arbeiten: Deine Erfahrung wird endlich zu einem bundesweit anerkannten Abschluss.

Der Weg weiter zur Pflegefachkraft
Die Pflegefachassistenz ist nicht das Ende. Die Ausbildung zur Pflegefachkraft baut darauf auf und kann verkürzt werden, wenn du bereits einen Abschluss in der Pflegefachassistenz hast. Normalerweise dauert die Fachkraft-Ausbildung 36 Monate in Vollzeit.
Ein möglicher Weg: 2027 mit der 18-monatigen Pflegefachassistenz starten, Praxiserfahrung sammeln und danach verkürzt die Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann anhängen.
Hast du wie ich schon einen landesrechtlichen Abschluss als Pflegehelfer? Dann frag bei einer Pflegeschule in deiner Nähe nach, was dir angerechnet werden kann.
Was du schon jetzt machen kannst
Du musst nicht bis 2027 warten. Es gibt auch heute Weiterbildungen, die für Pflegehelfer offen sind. Bildungsanbieter führen zum Beispiel Kurse wie Behandlungspflege für Pflegehilfskräfte oder die Qualifizierung zur Betreuungskraft im Programm. Umfang und Inhalte unterscheiden sich je nach Anbieter, bei einem Anbieter umfasst der Behandlungspflege-Kurs etwa 186 Stunden.
Dazu kommen kurze Online-Fortbildungen zu Themen wie Krankheitsbildern oder Sterbebegleitung.
Ein Beispiel: Die Online Pflege Akademie bietet Pflichtfortbildungen mit 16 Stunden, 100 % online und im eigenen Tempo, für etwa 99 Euro an.
Tipp: Frag in deiner Einrichtung, ob sie eine Lernplattform wie Pflegecampus nutzt. Das ist ein Online-Angebot für Einrichtungen mit über 900 Kursen, das viele Arbeitgeber für ihre Mitarbeitenden buchen. Dann kannst du oft kostenlos darauf zugreifen.

Teil 2: Weiterbildung für Pflegefachkräfte
Wenn du bereits examiniert bist, hast du deutlich mehr Möglichkeiten. Hier die wichtigsten Wege.
Praxisanleitung
Wenn du gern mit Auszubildenden arbeitest, ist die Praxisanleitung ein guter nächster Schritt. Laut § 4 der Pflegeberufe-Ausbildungs- und Prüfungsverordnung brauchst du dafür eine berufspädagogische Zusatzqualifikation von mindestens 300 Stunden, mindestens ein Jahr Berufserfahrung und jedes Jahr mindestens 24 Stunden berufspädagogische Fortbildung.
Die Kosten für die Grundqualifikation liegen laut einer Übersicht bei etwa 1.500 bis 4.000 Euro und werden oft vom Arbeitgeber übernommen.
Für den Schichtdienst hilfreich: Wochenendmodelle dauern zwar länger, lassen sich aber besser mit Schichten vereinbaren.
Leitung: Wohnbereichsleitung und Pflegedienstleitung
Wer Verantwortung für ein Team übernehmen will, braucht für die Anerkennung als verantwortliche Pflegefachkraft nach § 71 SGB XI eine Weiterbildung für leitende Funktionen mit mindestens 460 Unterrichtsstunden. Dazu kommen eine abgeschlossene Pflegeausbildung und zwei Jahre Berufserfahrung im erlernten Beruf innerhalb der letzten acht Jahre.
Die Bezeichnungen können verwirrend sein: Die verantwortliche Pflegefachkraft ist die gesetzliche Grundqualifikation, Wohnbereichsleitung und Pflegedienstleitung sind die Funktionen in der Praxis, die darauf aufbauen.
Fachweiterbildungen
Wenn du dich fachlich spezialisieren willst, gibt es viele Richtungen.
Einige Beispiele aus dem Angebot von Bildungsträgern: Palliative Care mit 160 Stunden, Pflegerischer Schmerzexperte mit 41,5 Stunden sowie Kurse zum Wundexperten nach ICW, zur Hygienebeauftragten oder zur Gerontopsychiatrischen Fachkraft. Umfang und Voraussetzungen schwanken je nach Anbieter, schau also genau hin.
Online-Fortbildungen mit Fortbildungspunkten
Für kleinere, regelmäßige Fortbildungen gibt es inzwischen gute Online-Angebote. AMBOSS bietet zum Beispiel Online-Fortbildungen für Pflegefachpersonen an, die mit einem CND-Zertifikat abschließen und von der Registrierungsstelle beruflich Pflegender bundesweit anerkannt sind.
Der Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen (IHK)
Wenn dich eher Organisation, Management und Betriebswirtschaft reizen, ist der Fachwirt eine Option. Der geprüfte Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen ist ein staatlich anerkannter, bundeseinheitlicher Abschluss auf Bachelor-Niveau (DQR 6) und bringt dir zusätzlich die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung.
Kosten: Je nach Anbieter zum Beispiel rund 3.890 Euro für einen berufsbegleitenden Online-Kompaktkurs oder 4.345 Euro bei einem anderen Träger, gefördert werden kann das über das Aufstiegs-BAföG. Die genauen Zulassungsvoraussetzungen hängen von deiner Ausbildung ab, am besten klärst du sie direkt mit deiner IHK.
Teil 3: Wer bezahlt das? Förderung für Helfer und Fachkräfte
Die gute Nachricht: Kaum ein Weiterbildungsbereich wird so umfassend gefördert wie die Pflege.
Qualifizierungschancengesetz
Der wichtigste Weg, wenn du angestellt bist. Die Agentur für Arbeit kann je nach Betriebsgröße Weiterbildungskosten und Zuschüsse zum Arbeitsentgelt übernehmen, wenn Arbeitgeber und Beschäftigte gemeinsam eine Qualifizierung anstoßen. Dein Arbeitgeber muss also mitmachen. Sprich zuerst mit deiner Pflegedienstleitung.
Bildungsgutschein
Für alle, die arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind. Voraussetzung ist eine Beratung vorab und eine zertifizierte Maßnahme, und der Gutschein muss vor Kursbeginn ausgestellt sein.
Aufstiegs-BAföG
Für größere Fortbildungen wie den Fachwirt. Darauf besteht ein individueller Rechtsanspruch. Die Förderung setzt sich aus 50 % Zuschuss und 50 % Darlehen zusammen, von dem bei bestandener Prüfung die Hälfte erlassen wird.
Bildungsurlaub
Keine Geld-Förderung, aber wertvoll: Je nach Bundesland kannst du Anspruch auf bezahlte Freistellung für anerkannte Weiterbildungen haben.
Programme der Bundesländer
In Nordrhein-Westfalen gibt es zum Beispiel seit Februar 2026 den Bildungsscheck 2.0 als Zuschuss für berufliche Weiterbildung. Schau, was es in deinem Bundesland gibt.
Wo du alles an einem Ort findest:
Das Portal "mein NOW" der Bundesagentur für Arbeit bündelt Weiterbildungssuche, einen Fördernavigator mit Angeboten der Bundesländer und Beratungsstellen. Das ist ein guter erster Klick.
Das Wichtigste zur Reihenfolge: Erst das Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit, dann den Kurs buchen, nie umgekehrt.

Teil 4: Weiterbildung neben dem Schichtdienst
Weiterbildung neben dem Schichtdienst ist anstrengend. Das will ich nicht schönreden.
Aber ein paar Dinge helfen:
Teilzeit und Wochenendmodelle nutzen. Die Pflegefachassistenz gibt es in Teilzeit, viele Fachweiterbildungen auch berufsbegleitend.
Mit dem Arbeitgeber reden. Viele Einrichtungen suchen dringend qualifiziertes Personal. Frag, ob Dienste angepasst werden können, und ob der Betrieb beim Qualifizierungschancengesetz mitmacht.
Lernzeiten fest einplanen. Nicht "wenn ich Zeit habe", sondern feste Momente im Dienstplan. Wie das mit wechselnden Schichten klappt, zeige ich dir im Wochenplan für dein Nebenprojekt.
Freie Tage schützen. Eine Weiterbildung, die dich ausbrennt, bringt nichts.
Teil 5: Und was ist mit Weiterbildung außerhalb der Pflege?
Nicht jeder will in der Pflege aufsteigen. Manche wollen sich zusätzlich etwas Eigenes aufbauen, ein zweites Standbein, zum Beispiel online.
Und genau da merke ich immer wieder dasselbe: Es fühlt sich fremd an. Nicht, weil man es nicht könnte. Sondern weil es uns niemand gezeigt hat. In der Schule nicht, in der Ausbildung nicht, auf der Station schon gar nicht. Wie man eine Pflegeplanung schreibt, lernt man. Wie man online etwas aufbaut, nicht.
Und was fremd ist, macht Angst. Das ist normal. Es heißt nicht, dass es nichts für dich ist. Es heißt nur, dass du es noch nicht kennst.
Mir ging es genauso. Wenn dich das Thema interessiert, fang mit den Grundlagen an, zum Beispiel mit meinem Guide zum Online Geld verdienen ohne Vorkenntnisse.
Beides schließt sich übrigens nicht aus. Du kannst dich in der Pflege weiterbilden und gleichzeitig etwas Eigenes aufbauen. Nur nicht alles auf einmal.
Hilfreiche Links auf einen Blick
mein NOW: Weiterbildung und Förderung finden (Bundesagentur für Arbeit)
IHK: Aufstiegs-BAföG und weitere Förderungen (Beispiel IHK Stuttgart)
IHK-Weiterbildung: Kurse, u. a. Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen
BIBB: Übersicht über Weiterbildungsdatenbanken und Förderung
Zum Schluss
Weiterbildung in der Pflege war lange ein Dschungel. Mit der Pflegefachassistenz ab 2027 wird zumindest ein Teil davon einfacher, gerade für uns Helfer. Und die Förderungen sind besser, als viele denken.
Der wichtigste Schritt ist nicht die perfekte Weiterbildung, sondern das erste Gespräch mit deiner Pflegedienstleitung, mit der Agentur für Arbeit oder mit einer Pflegeschule in deiner Nähe.
Und wenn dich eher die Arbeit auf eigene Rechnung reizt als der nächste Posten: Schau dir Selbstständig in der Pflege an.
Und jetzt du: Bist du Helfer oder Fachkraft, und welche Weiterbildung reizt dich am meisten? Schreib es gerne in die Kommentare?
Stand: September 2026. Alle Angaben ohne Gewähr, Regeln und Preise können sich ändern. Keine Rechts- oder Förderberatung.

