Männlicher Pflegefachmann mit kurzem 3-mm-Haarschnitt und Taper Fade sitzt nachts um 3 Uhr nachdenklich an einem Pflegestützpunkt. Im Hintergrund ist ein gedämpft beleuchteter Flur zu sehen.

Nachtdienst in der Pflege: 3 Uhr nachts und die Frage nach mehr

October 02, 2026•5 min read

Ich arbeite in einem Pflegeheim, auf einem geschlossenen Bereich für Menschen mit Demenz. Und ich mache oft Nachtdienst.

Viele denken bei Nachtdienst: Ruhe, Kaffee, ein bisschen Handy. Ganz ehrlich? Manchmal stimmt das sogar. Aber oft ist es das komplette Gegenteil.

In der neuen Reihe "Aus dem Nachtdienst" erzähle ich dir, wie es wirklich ist. Ohne Schönreden, ohne Drama. Und warum ich irgendwann gemerkt habe: Das kann nicht alles sein.

Kurz vorab: Alle Situationen sind so verändert, dass niemand erkannt werden kann. Es geht um meine Gedanken, nicht um die Menschen, die ich pflege.


"Nachts hast du doch viel Zeit"

Den Satz höre ich ständig. Meistens von Leuten, die noch nie eine Nacht in der Pflege gearbeitet haben.

Klar, eine Nacht kann ruhig sein. Sie kann aber auch komplett eskalieren. Und das hängt oft schon davon ab, was vor mir passiert ist.

Wenn der Dienst vor mir nicht alles geschafft hat, muss ich das nacharbeiten. Dann fange ich nicht bei null an, sondern im Minus. Und wenn die Bewohner dann noch unruhig sind, kannst du deinen Plan vergessen.

Dann geht jede Tür auf. Zimmer müssen komplett neu gemacht werden. Und wenn du richtig Pech hast, ist plötzlich jemand weg, der eigentlich im Bett liegen sollte. Dann rennst du.

Dazu kommt alles, was man von außen nicht sieht: Leute umlagern, hinterherlaufen, beruhigen, reden. Ganz viel reden. Auch wenn du selbst schon kaputt bist. Und das alles allein, für den ganzen Bereich.

Und wenn das Team ständig wechselt, landet auch noch Papierkram bei dir, der eigentlich gar nicht deine Aufgabe ist. Nicht weil jemand faul ist, sondern weil einfach zu wenig Leute da sind.


Und trotzdem mag ich die Nacht

Klingt komisch, ich weiß. Aber ich arbeite echt gerne nachts.

Es sind weniger Leute im Haus, das Telefon klingelt kaum, keiner hetzt dich. Viele Bewohner sind nachts ruhiger als am Tag. Und wenn die Nacht gut läuft, hab ich meine Ruhe. Na ja, so halb.

Ich kann meinen Job machen, ohne dass alle fünf Minuten jemand was will. Und ich kann nachdenken.

Und genau da wird's gefährlich. Wenn du um drei Uhr nachts im Flur stehst und gerade nichts zu tun hast, kommen die Fragen. Wo stehe ich eigentlich? Wo will ich hin? Und will ich das hier wirklich noch in 20 Jahren machen?


Bis zur Rente? Nee.

Versteh mich nicht falsch. Ich kann den Job. Ich ekle mich nicht, ich hab keine Berührungsängste, und ich weiß, dass ich jeden Tag Menschen helfe. Da bin ich auch stolz drauf.

Aber ich wollte das nie für immer machen.

Und ich merk jetzt schon, was der Job mit mir macht. Körperlich, aber vor allem im Kopf. Wenn du Nacht für Nacht allein für so viele Menschen da bist und ständig auffängst, was liegen geblieben ist, dann geht das nicht spurlos an dir vorbei. Fachkräfte haben es oft noch schwerer, weil die auch noch den ganzen Papierkram haben.

Und dann hörst du in den Nachrichten, dass wir alle noch länger arbeiten sollen. Da hab ich mich gefragt: Schaffe ich das bis zur Rente? Meine ehrliche Antwort: Nein. Und ich will es auch nicht.

Ich will nicht einfach funktionieren, bis ich umkippe.


Wie die Idee entstanden ist

Der Gedanke war eigentlich schon immer da. So richtig laut wurde er vor ungefähr zwei Jahren.

Damals wollte ich auswandern. Aber als Gesundheits- und Krankenpflegehelfer im Ausland einen Job finden? Schwierig. Dazu die Sprache. Und ganz ehrlich, in vielen Ländern verdienst du damit auch noch weniger. Fand ich schade, war aber so.

Also hab ich nach anderen Wegen gesucht. Und bin dabei gelandet, mir online was Eigenes aufzubauen.

Und jetzt kommt der Teil, über den ich heute lachen kann: Ich dachte echt, ich schaff das in drei Monaten. Haha.

Spoiler: Hab ich nicht.

Was danach passiert ist, welche Fehler ich gemacht habe und warum ich trotzdem weitermache, erzähl ich dir in der nächsten Geschichte.


Was mir durch lange Nächte hilft

Bevor's weitergeht, noch was Praktisches. Egal ob du in der Pflege arbeitest, im Lager oder an der Tankstelle: Nachtschicht ist Nachtschicht.

Essen, das dich nicht runterzieht

Um drei Uhr nachts zur Schokolade greifen? Kenn ich. Kurz geht's dir besser, eine Stunde später bist du noch müder.

Besser ist was Warmes und Leichtes, das du dir mitnimmst. Suppe, Reis mit Gemüse, Eintopf. Wenn keine Mikrowelle in der Nähe ist, hält ein *Isolierbehälter das Essen stundenlang warm.

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Wie du das am freien Tag für mehrere Dienste vorbereitest, steht in meinem Artikel Meal Prep im Schichtdienst.

Schlafen, wenn alle anderen wach sind

Du kommst nach Hause und draußen fängt der Tag gerade an. Körper müde, Kopf noch voll an.

Was da hilft:

  • Auf dem Heimweg das Handy weglassen. Helles Display und volle Feeds machen dich wieder wach

  • Das Zimmer richtig dunkel machen. Gute Vorhänge oder eine Schlafmaske sind kein Luxus

  • Immer die gleiche kleine Routine. Duschen, was trinken, Licht runter. Dann checkt dein Körper: Jetzt ist Feierabend

  • Warmes Licht statt Deckenlampe. Zum Beispiel eine *Nachttischlampe mit gedimmtem, warmem Licht

Den Kopf frei bekommen

Manchmal sind nicht die Beine müde, sondern der Kopf. Nach einer harten Nacht drehen sich die Gedanken weiter, und du liegst da und kommst nicht runter.

Was hilft: Schreib's auf. Zwei, drei Sätze reichen. Was war heute schwer? Was war gut? Danach ist es oft leichter, abzuschalten.

Wenn dir nichts einfällt: In meinem Artikel Journal Prompts findest du 50 Fragen, auch extra für den Schichtdienst.


Und wenn du eh schon zum Stift greifst: Ich hab einen undatierten Schichtplaner gemacht, für alle, die ihre Dienste lieber auf Papier als in der App festhalten. Ist mein eigenes Buch, ich verdiene also daran.

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